Der Cupfinal 2014: eine kritische Bilanz, viel Frust und unsportliches Verhalten der Fussballclubs

Nicht nur dass sich mein Lieblingsclub, der BSCYB in diesem Jahr nicht für das Cupfinale qualifiziert hat, ist für mich am Tag nach dem Cupfinal enttäuschend. Es ist vielmehr die Erkenntnis, dass wohl kein Fanmarsch mehr durchgeführt werden kann, ohne dass man Ausschreitungen erwarten muss. Ein Eigengoal für den Fussball, aber auch für Eishockeyspiele oder einfach nur Tanzveranstaltungen.

Nicht nur dass die teuren Polizeieinsätze vermehrt das Budget der Stadt Bern und somit auch der Steuerzahler belasten. Nun kommen auch noch sinnlose Sachbeschädigungen von ein paar Idioten dazu. Der Grossteil aller Fans leidet unter diesen wenigen: durch vermehrte Repression und vielleicht bald schon unter höheren Ticketpreisen.

Nicht nur unsere Partei wurde gestern mit einer Medienmitteilung aktiv. In meinem Umfeld waren die Feedbacks auf den Cupfinal heute heftig. Und deutlich dazu: Die Bevölkerung ist nicht mehr bereit ein solches Fussballevent zu tragen, wenn nichts gegen Hooligans und Chaoten unternommen wird. Sie wollen lieber auf einen Cupfinal verzichten, als den Preis dafür zu bezahlen. Jener Cupfinal, der früher eher einem Volksfest als einem Kriegsschauplatz glich.

Wenn der FC Zürich heute meint, dass andere Personen Krawalle gemacht haben, dann mag dies zu einem Teil vielleicht sogar korrekt sein. Es ist davon auszugehen, dass zumindest ein Teil der vermeintlichen Fans nur Krawall-Touristen waren. Jene Touristen, die vermehrt Demonstrationen, 1. Mai-Anlässe und Feste wie „Tanz dich frei“ verunmöglichen. Sich dabei aber aus der Verantwortung zu nehmen ist einfach nur billig, peinlich und für mich nur noch enttäuschend. Wenn dann gleichzeitig noch Fanmärsche gefordert und von Fankultur gesprochen wird, nimmt das ganze lächerliche Formen an. Ein Fanmarsch wie jener gestern hat definitiv nichts mit Fankultur zu tun. Anstelle Shirts mit der Aufschrift „FCK CPS“ zu tragen oder Fensterscheiben einzuschlagen, sollten Fans besser Ihr Team unterstützen!

Offen ist zudem die Frage, ob sich der Fussballverband nun an den Sicherheitskosten beteiligt, oder ob er die vereinbarten Rückstellungen in der Höhe von 200’000 Franken nicht freigeben wird. Der Verband will vorerst bloss rechtlich abklären lassen, ob er für Sicherheitskosten ausserhalb der Stadions überhaupt zur Kasse gebeten werden kann. Das mag juristisch zwar clever sein – als Zeichen gegenüber der Öffentlichkeit ist dieses Vorgehen jedoch nur noch skandalös. Gewinne erwirtschaften will man, die Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit schiebt man dann doch lieber wieder an die Politik und der Polizei ab.

Eines ist für mich nach diesem Cupfinal klar: Der Sport Fussball verliert wöchentlich etwas mehr an Akzeptanz in der Schweizer Bevölkerung. Clubs und Fanvertreter versuchen sein Jahren erfolglos die Hooligans in den Griff zu bekommen – und bekämpfen jede politische Massnahme, ohne selber der Öffentlichkeit bessere Rezepte zu präsentieren. Ganz zum Schluss stehlen sie sich aus der Verantwortung, und bürden der öffentlichen Hand die Sicherheitskosten auf. Enttäuschend auf ganzer Linie – zumindest für mich!

Klar, die Medienpräsenz am gestrigen Cupfinal war enorm. Alle haben regelrecht auf Ausschreitungen gewartet. Das ist nicht ganz fair. Aber vielleicht sind gerade deshalb die Ereignisse umso enttäuschender. Sie zeigen dass die Fanbetreuer und die Clubs die Fans nicht mehr im Griff haben.

Deshalb ist es nun entscheidend, dass man sich ganz klar und deutlich von Chaoten und Krawallmachern distanziert. Dies erwarte ich von Politikern ebenso wie von Clubs und dem Schweizer Fussballverband. Wer Steine auf Polizisten wirft ist kein Fan, sondern ein Idiot. Und soll von der Justiz verfolgt werden. Eine Bewilligung eines Fanmarsches am nächsten Cupfinal steht für mich ausser Frage. Dieser zieht im schlimmsten Fall nur Krawall-Touristen an. Und auf diese wollen wir in Zukunft in Bern verzichten.

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