Wie viel ist uns Sicherheit in der Energiepolitik wert?

Einmal mehr hat die Natur zugeschlagen. Der letzte Freitag wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Menschheit eingehen. Zuerst wurde Japan vom fünftstärksten Erdbeben seit Aufzeichnungsbeginn heimgesucht, dann folgte ein bis zu 10 Meter hoher Tsunami, der wenige Minuten nach dem Beben die Ostküste erreichte und bis zu 10 km landeinwärts extreme Verwüstungen hinterliess. Es handelte sich um den grössten Tsunami seit 1100 Jahren in der Geschichte Japans.

Als Folge des Erdbebens und des darauffolgenden Tsunamis wurde der Betrieb in mehreren japanischen Kernkraftwerken beeinträchtigt. Es kam zu Zwischenfällen, die man höchstens in Hollywood-Filmen erwartet hätte. Nicht aber im realen Leben. Im Anschluss war in sozialen, aber auch in den klassischen Medien eine neue Debatte zur Kernkraft lanciert. Eine Debatte, die aktuell fast mehr Präsenz in den Medien hat, als das eigentliche Desaster: Der Verlust von über 10’000 Menschenleben, Hunger und Elend, zerstörte Existenzen – durch eine der grössten Umweltkatastrophen seit Menschengedenken.

Bundesrätin Doris Leuthard hat in der Folge Sicherheitsüberprüfungen in Schweizer AKWs gestartet, die laufenden Verfahren für die Rahmenbewilligungsgesuche für Ersatz-Kernkraftwerke werden bis auf weiteres sistiert (UVEK – Doris Leuthard „Sicherheit hat oberste Priorität“). Ein richtiger Entscheid?

Die Menschheit hat von den AKW’s viel profitiert. So wurden in vielen Ländern Wohlstand und die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft auf den Säulen der Kernernergie aufgebaut. Und die Risiken von der Mehrheit der Bevölkerung bewusst in Kauf genommen. Seit wenigen Tagen findet bei der Menschheit ein Umdenken statt. Nur Wenige konnten sich eine solche Katastrophe wirklich vorstellen, nur wenige wollten an die Verwundbarkeit glauben. Ich selber nehme mich hier nicht aus. Auch wenn eine gewissen Skepsis gegenüber dem Atomstrom immer vorhanden war, für ein Atomausstieg in der Stadt Bern gekämpft wurde, so wurde ein in den letzten Atomdebatten auch stehts klar: Wir haben noch zu wenig Alternativen um bereits heute alle AKWs abzuschalten.

Ein Umdenken wird nun stattfinden. Und das muss sein! AKW’s sind heute noch eine notwenige Gefahr, müssen aber nun laufend durch neue Techniken, und erneuerbare Energien ersetzt werden. Damit dies gelingt müssen Stromanbieter endlich ein transparentes Alternativangebot anbieten, und es muss auch ein Umdenken bei jedem Konsumenten stattfinden.

Steigende Energiepreise müssen akzeptiert werden, Strom muss endlich aktiv eingespart werden. Auch auf die hohe Zuverlässigkeit von Atomstrom muss eventuell verzichtet werden. Heute bezahlt (zumindest in der Stadt Bern) der freiwillig umweltbewusste Kunde mehr als ein Verbraucher von Atomstrom. Ein Effekt, welchen man vielleicht umdrehen sollte? Vielleicht sollten aber auch Hürden bei der Förderung von alternativen Energien endlich abgebaut werden, das Einspracherechts der einzelnen Bürger beim Bau von Windturbinen eingeschränkt werden? Ich glaube bereits jetzt würden wohl die ersten Gegenstimmen aufkommen. Denn schliesslich will niemand neben einer Windturbine wohnen.

Es sind heikle Forderungen, trotzdem müssen wir vielleicht doch einmal einen solchen Schritt wagen. Um die Kernenergie hinter uns zu lassen und in zusammen in eine sicherere Zukunft zu gehen. Damit der heutige Entscheid des Bundesrats nicht zu einer Alibiübung wird. Ich glaube an den mittelfristigen Atomausstieg, ich glaube daran, dass dieser bald kommen wird. Wir müssen aber bereit sein, den Preis für eine sicherere Energie zu bezahlen.

Und doch sollten wir bei alle dem eines nicht vergessen: Als allererstes den Japanerinnen und Japanern, die bei den eigentlichen Katastrophen zu Schaden gekommen sind, alle mögliche Hilfe anzubieten.

7 Kommentare

  1. Ein Politiker der sich gute Gedanken zum Thema Atomenergie macht. Eine echte Alternative zu FDP und SVP

  2. Danke. Auch wenn es mir lieber wäre, ich müsste nicht darüber schreiben. Vielleicht nagt es auch so an mir, weil ich halt durch meine chinesische Frau so viele Bekannte und Verwandte in Asien, China, Japan habe. Hoffen wir, dass wir mit einem dunkelblauen Auge davonkommen!

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