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Politik, Wahlkampf und Internet – Teil 2

Am 10. April habe ich in meinem ersten Blogbeitrag zum Thema Politik, Wahlkampf und Internet veröffentlicht. Ich habe darin die verschiedenen Möglichkeiten eines Online-Wahlkampfes aufgezeigt. Ich bin jedoch nicht auf den Nutzen der einzelnen Kanäle eingegangen. Dies möchte ich nun wie versprochen nachholen. Ich nehme dazu meinen Grossratswahlkampf im März 2010 in Bern als Beispiel.

Die Facebook Fanpage - Was bringt sie?

Facebook (Link)

Facebook ist schwer in Mode. Bald jeder Politiker meint eine persönliche Fanpage eröffnen zu müssen. Gerade hier hört der Einsatz dann aber zu oft bereits auf. Eine gute Fanpage braucht Betreuung, sie braucht gute Aktionen und sie braucht gewissermassen auch Werbung: Sonst bleibt der Zähler des Like-Buttons maximal zweistellig.

Die Fans müssen aktiv mit interessanten (!) Informationen auf dem Laufenden gehalten werden. Dann bin ich überzeugt, dass auch eine Facebook-Fanpage funktionieren kann. Man muss aber beachten, dass mit dem alleinigen Erstellen einer Fanpage kaum die breite Masse an Wählern erreicht wird. Denn die meisten Politiker sind nicht so bekannt wie die Post, Migros oder LeShop – die erfolgreich gute Fanpages betreiben und gesucht werden.

Twitter (Link)

Twitter-Community laufend aufbauen

Twitter ist in der Schweiz immer noch kein Massenmedium. Somit haben wir hier zwar Zuhörer, aber kaum Wähler. Vor allem wenn die Wahlen auf eine Region beschränkt sind, wie dies bei den Grossratswahlen der Fall war. Und es ist äusserst wichtig, dass man nicht nur kurzfristig in Twitter aktiv ist. Damit auch eine gewisse Glaubwürdigkeit, und eine sinnvolle Anzahl Follower (Leser) vorhanden sind braucht es Zeit!

Ein grosser Vorteil von Twitter sind aber die breiten Sharing-Funktionen. Der Twitter-Feed kann problemlos in einen Blog, in Facebook oder weitere Social Networks (bspw. Politnetz) integriert werden – Dies bringt neue Leser und Follower.

Politnetz (Link) / Wahlbistro (Link)

Politische Foren und Social Networks haben ein grosses Problem: Sie bieten zwar fachlich viel bessere Inhalte, als dies bei Twitter & Facebook der Fall ist. Aber sie sprechen nur Politkenner und Politiker selbst an. Auch dieses Medium zielt somit stark an der breiten Masse vorbei. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau die Wähler in solchen Foren meistens Stammwähler einer Partei sind – und nur äusserst selten für sich zu gewinnen sind.

Eigene Blogs und Websites

Eigene Blogs und Websites sind aufwendig, bringen aber sicherlich am Meisten. Denn sie sind für alle Internet-User erreichbar, auch wenn Social Networking für diese (noch) kein Thema ist. Ausserdem besteht genügend Gestaltungsfreiheit und die eigenen Ideen und Positionen können ausführlich beschrieben werden.  Und sie dienen als ideale Schaltzentrale zu den verschiedenen Social Networks.

Fazit

Wie in meinem ersten Bericht bereits erwähnt, so gibt es aber weiterhin drei wichtige Punkte für einen erfolgreichen Einsatz von Social Media in der Politik: Geduld, Verknüpfung der einzelnen Kanäle und zielgruppenorientierte Meldungen. Denn die obenstehende Analyse ist eigentlich bedenklich. Kein Medium alleine schafft es die Massen zu mobilisieren. Es wird zwar sicherlich ein paar Stimmen geben, aber es wird nicht reichen um Grossrat zu werden.

Die Community muss langsam aufgebaut werden – und dann kommt unweigerlich auch ein weiterer, heikler Punkt ins Spiel: Die Privatsphäre. Befindet man sich nämlich längere Zeit auf Social Networks, dann lassen sich private Interessen nur schlecht aus der täglichen Kommunikation heraushalten.

Doch vielleicht ist es aber auch genau dies, was die Wähler suchen? Eine Person mit welcher man sich aufgrund ähnlicher Interessen auch identifizieren kann und damit auch ein privates Gesicht erhält.

Was denken Sie dazu? Wie viel Privates ist in der Politik erlaubt? Machen Sie mit bei der aktuellen Umfrage. Die Resultate gibt es in einem nächsten Beitrag hier auf meinem Blog.

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